Stahlnachrichten der IG Metall, Informationen für unsere Mitglieder in der nordwestdeutschen Stahlindustrie
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Oktober 2026

Auftakt zur Tarifrunde Stahl

Das wird
ein Kampf

Die nordwestdeutsche Stahlindustrie startet in die Tarifrunde. So viel ist klar: Die Verhandlungen werden kein Spaziergang. In den Betrieben diskutieren die Mitglieder jetzt über die Forderung. Die Beschäftigten pochen angesichts hoher Lebenshaltungskosten auf eine Entgelterhöhung.

Hohe Preise für Sprit, Heizöl und Lebensmittel – „unsere Kolleginnen und Kollegen spüren den Druck im Geldbeutel“, sagte Mike Böhlken, Betriebsratsvorsitzender bei ArcelorMittal in Bremen, bei der jüngsten Sitzung der Tarifkommission Stahl, „die Leute brauchen mehr Geld, und zwar jetzt.“ Ähnlich ist die Stimmung auch in anderen Betrieben. Deshalb, so Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer, „wird dies eine reine Entgeltrunde“.

Wie viel die IG Metall fordern wird – das wird jetzt in den Betrieben diskutiert. Mit Spannung schauen die Aktiven der IG Metall in der Stahlindustrie auf die Metall- und Elektroindustrie: Dort fordert die IG Metall fünf Prozent mehr Geld. Eine Forderung in dieser Höhe wäre auch für die Stahlindustrie denkbar. Das wurde auf der Sitzung der Tarifkommission deutlich. „Beide Branchen, Stahl wie Metall und Elektro, sind in einer ähnlichen Lage“, betonte Knut Giesler, „das könnte schon passen.“ Die Entscheidung trifft die Tarifkommission aber erst in drei Wochen, nachdem die mögliche Forderung in den Betrieben der nordwestdeutschen Stahlindustrie diskutiert wurde.

Außerdem zeichnet sich ab, dass die IG Metall sich in dieser Tarifrunde für eine Besserstellung der Auszubildenden stark machen will. Eine überproportionale Erhöhung ihrer Vergütungen könnte eine weitere Forderung sein, wurde auf der Tarifkommissionssitzung deutlich. Darüber hinaus diskutierte die Tarifkommission über eine mögliche soziale Komponente, von der untere Entgeltgruppen profitieren würden. Die bisher geltenden Tarifverträge zu Lohn und Gehalt wurden gekündigt. So hat es die Tarifkommission einstimmig beschlossen.

 

Wirtschaftslage bessert sich

Mit einer moderaten Forderung würde die IG Metall auf die Situation in der Stahlindustrie eingehen. Ein Blick auf die Wirtschaftszahlen zeigt: Die Krise in der Branche ist noch nicht vorbei. Aber: Erstmals seit Jahren gibt es in diesem Herbst erste Zeichen der Erholung. So haben die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum angehoben, und die wichtigsten Abnehmer von Stahl vermelden höhere Auftragseingänge. „Das lässt hoffen“, sagte Knut Giesler. Klar ist für den Verhandlungsführer der IG Metall: „Die Krise kann nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.“ Jetzt brauche es mehr Geld, „damit wir den Konsum stärken und die Erholung der Konjunktur nicht abwürgen“.

Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Arbeitgeber sehen das ganz anders. Die IG Metall erwartet deshalb eine äußerst konfliktreiche Tarifrunde. Giesler sagt: „Wir bereiten uns auf alle Eskalationsstufen eines Arbeitskampfs vor.“

Wirtschaftslage

Zarte Zeichen der Erholung

Die Wirtschaft in Deutschlang hat Jahre der Stagnation hinter sich. In diesem Herbst aber zeigen die Prognosen erstmals wieder deutlicher nach oben.

Wieder Wachstum

Die Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts jüngst nach oben korrigiert. Die Inflation wird sich voraussichtlich auf einem Niveau leicht unter drei Prozent einpendeln.

 

Wachstum und Inflation

Entwicklung in Prozent zum Vorjahr

 Diagramm 1

(*Prognose) Quelle: Statistisches Bundesamt, IMK

Optimismus wächst

Die Unternehmen sind insgesamt mit der Lage zufrieden und sie schauen optimistischer in die Zukunft. Das zeigt ein Blick auf den Ifo-Geschäftsklimaindex. Die Erwartungen steigen wieder an.

 

Geschäftsklimaindex

saisonbereinigt

 Diagramm 1

Quelle: ifo-Geschäftsklimaindex

Mehr Aufträge bei den Kunden

Die wichtigsten Kunden der Stahlindustrie finden sich in der Metall- und Elektrobranche – und diese verzeichnet derzeit einen Anstieg der Aufträge. Aber: Gerade die wichtige Automobilindustrie ist noch nicht über den Berg.

 

Auftragseingänge in den M+E-Branchen

(Veränderung 1. Halbjahr 2026 gegenüber. 1. Halbjahr 2025 in Prozent)

 Auftraege ME

Quelle: ifo-Geschäftsklimaindex

Stahl kann hoffen

Erste Zeichen einer vorsichtigen Erholung gibt es auch in der Stahlindustrie. Die Produktion stagniert zwar, aber die Auftragseingänge verzeichnen einen Anstieg. Alles noch auf verhaltenem Niveau – aber immerhin.

 

Aufträge und Produktion

bereinigt in Monaten, 2021 = 100

 

Quelle: Statistissches Bundesamt

Stahlpreise leicht aufwärts

Die Preise für Stahl bewegen sich nach oben. Das hat auch mit den Handelsbeschränkungen zu tun, die die EU in Kraft gesetzt hat, etwa mit Schutzzöllen gegen Billigimporte aus China. In dieser Frage ist immerhin etwas passiert.

 

Warmbandpreise in der EU

Januar 2020 bis August 2026 (Spotmarkt, Grundgüten)

 Stahlpreis 2hq

Quelle: MEPS; IKB; MBI Montan Aktuell

Energiepreise bleiben Kritisch

Die Preise für Energie, etwa Gas, sind zwar nicht so stark gestiegen wie durch den Ausbruch des Iran-Kriegs befürchtet. Sie bleiben aber ein Risiko und sind in Europa immer noch viel höher als anderswo, etwa in den USA.

 

Rohstoffpreise: Erdgas ($/mmbtu*)

Preisentwicklung 2026

 

(* mmbtu = Million British Thermal Unit) Quelle: Weltbank

Interview

„Es gibt Anzeichen
der Erholung“

Alt Text
Knut Giesler ist Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer in der Tarifrunde für die nordwestdeutsche Stahlindustrie.

Knut, die Tarifrunde Stahl ist gestartet. Wie wird unsere Forderung aussehen?

Das diskutieren wir jetzt mit den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben. Klar ist, dass wir einerseits auf die immer noch schwierige Lage der Stahlindustrie eingehen werden. Andererseits lassen wir die Arbeitgeber das Bild auch nicht schwärzer malen, als es ist. Es gibt in diesem Herbst erste Anzeichen einer allgemeinen wirtschaftlichen Erholung, und zugleich haben unsere Mitglieder völlig zu Recht die Erwartung, dass in ihren Geldbeuteln etwas passiert, Stichwort Inflation. All diese Faktoren werden sich in unserer Forderung wiederfinden.

Wird die Forderung dieses Mal eine konkrete Zahl sein?

Ja, ganz sicher. Wir haben in der vergangenen Stahl-Tarifrunde auf eine bezifferte Forderung verzichtet und damit gezeigt, dass wir auf die schwierige Situation der Stahlindustrie einzugehen bereit sind. Das hat sich nicht bewährt, weil die Arbeitgeber in der vergangenen Tarifrunde nicht darauf eingegangen sind. Das passiert uns nicht noch mal, deshalb werden wir mit einer klar bezifferten Forderung an den Start gehen.

In der Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall NRW fünf Prozent. Wäre dies auch eine passende Zahl für Stahl?

Tatsächlich haben wir uns in der Metall- und Elektroindustrie für eine moderate Forderung in Höhe von fünf Prozent entschieden, und diese Zahl wurde logischerweise auch auf der Sitzung unserer Tarifkommission für die Stahlindustrie in dieser Woche ins Gespräch gebracht. Wenn zwei so wichtige Tarifrunden unmittelbar aufeinander folgen, bleibt es nicht aus, dass man aufeinander schaut und die Kolleginnen und Kollegen im Stahl sich fragen: Könnte das eventuell auch für uns eine mögliche Zahl sein? Angesichts der Tatsache, dass sich beide Branchen in einer ähnlichen Situation befinden, könnte das schon passen. Aber ich will der Diskussion in den Betrieben nicht vorgreifen: Unsere Vertrauensleute im Stahl werden jetzt mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort über die richtige Forderung debattieren, und Anfang November werden wir sie in der Tarifkommission beschließen.

Erwartest Du eine harte Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern?

Ja, auch das ist ganz sicher. Die Arbeitgeber werden einmal mehr diese anhaltende Vielfachkrise für eine große Jammerklage nutzen. Auf solche Spielchen lassen wir uns nicht ein. Wir wissen, wie es um Stahl steht. Das muss uns niemand mehr erzählen, aber es gilt, was ich schon seit Jahren sage: Tarifpolitik ist nicht das Mittel, mit dem wir eine Strukturkrise lösen können. Tarifpolitik muss die Interessen der Beschäftigten berücksichtigen, auch und gerade in einer Krise. Wir brauchen eine angemessene Erhöhung der Entgelte. Und ich wage vorherzusagen: Auch dieses Mal werden wir eine solche Einigung nicht erreichen, ohne in den Arbeitskampf zu gehen. 

Die Friedenspflicht endet ausgerechnet an Silvester. Kommt es dann direkt zu Warnstreiks?

Es kommt auf die Verhandlungen an. Aber wir sind jetzt schon in der Vorbereitung aller Eskalationsstufen: Warnstreiks, 24-Stunden-Streiks, und – wenn es sein muss – auch ein unbefristeter Streik. Die Arbeitgeber sollen sich darauf vorbereiten, dass es sehr ungemütlich werden kann.

Stimmen aus der Tarifkommission

„Auch an die Zukunft denken“

„Dies wird eine reine Entgeltrunde. Die Menschen leiden unter den hohen Sprit- und Energiekosten. Wir brauchen deshalb unseren gerechten Anteil. Ebenso müssen wir an die Zukunft denken, deshalb ist es wichtig, dass die Auszubildenden so gut bezahlt werden wie in anderen Branchen auch, etwa in der Metall- und Elektroindustrie.“

„Es wird eng im Geldbeutel“

„Diese Tarifrunde wird nicht einfach. Wir werden gemeinsam auf die Straße gehen müssen. Unsere Kolleginnen und Kollegen kommen auf uns zu und sagen: Es wird eng im Geldbeutel. Die Spritpreise, Heizöl muss gekauft werden, Rechnungen. Deshalb braucht es mehr Geld. Dafür werden wir aber wirklich kämpfen müssen.“

„Wir brauchen eine Entgelterhöhung“

“Unsere Leute spüren die gestiegenen Preise im Porte­mon­naie. Der Kollege, der täglich von Dortmund nach Duisburg zur Arbeit fährt und drei- bis viermal die Woche tanken muss, der muss fast Geld mitbringen, um arbeiten zu können. Das geht so nicht. Wir brauchen eine Entgelterhöhung.“

„Die Beschäftigten geben alles“

“Wir haben auf der Georgsmarienhütte momentan viele Herausforderungen, etwa die extremen Preissteigerungen bei Strom und Gas. Die Beschäftigten geben alles, arbeiten dann, wenn Strom günstig ist, sind hochflexibel. Sie benötigen jetzt einen fairen Anteil, gerade weil die Lebenshaltungskosten so heftig gestiegen sind.“

Der Fahrplan

So geht es weiter

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Bis Anfang November

Forderungsdiskussion in den Betrieben

Bis Anfang November

2. November

Tarifkommission beschließt Forderung

18. Dezember

Erste Verhandlung mit den Arbeitgebern

18. Dezember

31. Dezember, 0 Uhr

Ende der Friedenspflicht, ab sofort Warnstreiks möglich.

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