Hütteninfo der IG Metall, Informationen für unsere Mitglieder bei der HKM
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Juli 2026

Ab jetzt rollt der Tarifzug

Die IG Metall ist mit einer bundesweiten Liveschaltung aller Tarifkommissionen in den sieben Bezirken in die Tarifbewegung der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Der selbstbewusste Auftakt sorgt für Aufbruchstimmung. Gut so, denn die allgemeine Konjunkturschwäche und die äußerst unterschiedlichen Situationen in den Betrieben machen diese Tarifrunde zu einer besonderen.

Einstimmig beschlossen die sieben Tarifkommissionen, die bestehenden Entgelttarifverträge zu kündigen. Damit ist der Weg frei für die Aufstellung einer neuen Forderung, für Verhandlungen mit den Arbeitgebern, möglicherweise für Arbeitskampf – und schlussendlich für einen erfolgreichen Abschluss. Oder, wie es mehrere Mitglieder der Tarifkommission NRW auf der Veranstaltung im Bildungszentrum der IG Metall in Sprockhövel in Anlehnung an den aktuellen Sommerhit formulierten: Der Zug hat keine Bremse.

Tatsächlich hatte diese Auftaktveranstaltung etwas von einer Lokomotive, die ab sofort mit aller Kraft und unaufhaltsam losrollt. Die sieben Bezirke der IG Metall hatten sich virtuell zusammengeschaltet, um diesen Auftakt gemeinsam zu gestalten und damit auch ein Zeichen zu setzen: In besonders harten Zeiten stehen wir besonders eng zusammen.

In Sprockhövel schwenkten die rund 150 Mitglieder der NRW-Tarifkommission rote Fahnen zum Gruß der anderen Bezirke, in Hannover flatterte zur Feier des Tages Konfetti durch den Saal und in Bayern machten die Delegierten mit Klatschpappen Stimmung. „Das wirkt schon jetzt fast wie bei einem Warnstreik“, befand Ralf Dirschl, Gewerkschaftssekretär im Bezirk Bayern und Moderator der Veranstaltung.

Auch der Vorstand der IG Metall in Frankfurt schaltete sich virtuell zur großen Liveschalte hinzu. Die Wortbeiträge der Ersten Vorsitzenden der IG Metall, Christiane Benner, und von Tarifvorständin Nadine Boguslawski wurden mit großem Beifall aufgenommen. „Viele Unternehmen stehen gut da“, sagte Benner. Andere bräuchten die Solidarität der stärkeren Betriebe. „Wir werden differenzierte Lösungen finden müssen.“ Das Signal dieser Liveschalte war eindeutig: Es herrscht Aufbruchstimmung und große Solidarität.

Beides wird es in den nächsten Monaten brauchen. Im Oktober beginnt die entscheidende Phase. Dann wird die IG Metall mit den Arbeitgebern wieder über höhere Entgelte für 3,8 Millionen Beschäftigte verhandeln. Aber welche Forderungen soll die Gewerkschaft erheben? Und wo sind die roten Linien? Schon bei der Liveschalte konnten die anwesenden Betriebsräte und Vertrauensleute ihre Vorstellungen dazu einbringen.

Klar ist schon jetzt: Es kommt auf jeden Einzelnen an. Denn nur eine starke und geschlossene IG Metall kann Tarifpolitik in derart komplizierten Zeiten gestalten.

Die Wirtschaftliche Lage

Gute Geschäfte,
schlechte Geschäfte

Die gesamtwirtschaftliche Lage ist äußerst angespannt. Auf die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche wirkt sich das sehr unterschiedlich aus.

 

Angesichts geopolitischer Krisen hält die Welt weiter den Atem an. Die Lage schlägt auf die deutsche Wirtschaft durch. Die Konjunktur tritt auf der Stelle. Dabei hatte sich die Stimmung in den Unternehmen nach der Bundestagswahl 2025 aufgehellt. Doch der Iran-Krieg erstickte rasch aufkeimende Hoffnungen.

Die Preise für Energie und vor allem für Benzin haben ein Loch in die Taschen der Verbraucher gerissen. Die private Kaufkraft sinkt. Das hat weitreichende Folgen. Wegen der steigenden Verbraucherpreise hat die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöht. Darunter leidet der Wohnungsbau, und auch Unternehmen investieren weniger.

Doch das ist alles kein Grund zur Schwarzmalerei. Vieles hängt von einem nachhaltigen Frieden in Nahost ab. Denn sobald der Ölpreis dauerhaft sinkt, dürfte der private Konsum wieder zulegen, die Bauinvestitionen steigen und die Verbraucherpreise sinken.

Ökonom Sebastian Dullien, Experte des Instituts für Makro­ökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-­Stiftung, prognostiziert für 2026 eine Steigerung des Bruttosozialprodukts von 0,6 Prozent – mit Luft nach oben, sollte es in Nahost zu stabilen Verhältnissen kommen.

Dullien hat viele Kennzahlen auch ausschließlich für die Metall- und Elektrobranche ermittelt. Besonders auffällig: Innerhalb der Branche erzielen Unternehmen sehr unterschiedliche Ergebnisse. So stand im Jahr 2025 bei der Elektrotechnologie eine Gewinnmarge (Ebit) von 0,2 Prozent. Die Halbleiterindustrie schloss hingegen mit einer Rentabilität von 9,7 Prozent ab. Schwächen verraten die Zahlen unter anderem für die Sektoren Kraftwagen und Maschinenbau. Stärken offenbaren sie beim sonstigen Fahrzeugbau (zumeist Rüstung).

Ökonom Dullien sieht die Metall- und Elektroindustrie auch unter Druck, weil China und die USA als Exportmarkte immer schwerer zu bedienen sind. Während China sich abschottet, bremsen die US-Zölle die Ausfuhr von Waren aus Deutschland. „Exporte in den Rest der EU laufen gut“, sagt Dullien. Die Binnen- und die EU-Nachfrage sieht Dullien als alleinige Hoffnung für eine erstarkende Konjunktur.
Seine Empfehlung an die Tarifkommissionen: „In der Metall- und Elektroindustrie sind die Unterschiede derzeit sehr groß. Dies sind starke Argumente für eine stärkere Differenzierung im Tarifabschluss als in üblichen Runden.“

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Zartes Pflänzlein
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland wächst wieder.
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Verlässliche EU-Exporte
Exportschwächen nach China und in die USA sind nicht die Folge mangelnder Wettbewerbsfähigkeit.
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Gespaltene Branche
Die wirtschaftliche Entwicklung verschiedener Sektoren bei Metall und Elektro verläuft uneinheitlich.

Interview

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Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, wird die Verhandlungen für die Arbeitnehmer führen

„Ich habe Bock
auf diese Runde“

Knut Giesler über die Vorbereitungen auf die Verhandlungen, über seine Motivation und über eine besondere Verpflichtung für gut laufende Betriebe.

Knut, was ist das Besondere an dieser Runde?

Da gibt es gleich mehrere Aspekte. Zuerst einmal freue ich mich darüber, dass wir hier über die Bezirke hinweg bundesweit debattieren. Dies sendet schon einmal in früher Phase ein wichtiges Zeichen der Solidarität und Wehrhaftigkeit. Zum anderen macht die wirtschaftliche Situation diese Tarifrunde zu etwas Besonderem. Unsere M+E-Betriebe lassen sich wirtschaftlich nicht über einen Kamm scheren. Den einen geht es sehr gut, die anderen kämpfen gegen Entlassungen und Standortverlagerungen oder -schließungen. Die Herausforderung besteht darin, alle mitzunehmen.

Wie kann das gelingen?

Zunächst einmal dürfen wir uns nicht wegducken. Wir müssen das gemeinsam rocken und zeigen, dass wir wehrhaft sind. In manchen Betrieben herrscht Unterauslastung. Deshalb wird es in den Verhandlungen um Beschäftigungssicherung gehen. An dieser Stelle müssen wir unsere Instrumente verpflichtender gestalten. Das heißt aber nicht, dass für uns flächendeckender Verzicht auf mehr Geld angesagt ist. Die Beschäftigten spüren die Preissteigerungen der vergangenen Jahre. Sie müssen entlastet werden. Zugleich dürfen wir eine soziale Komponente und auch die Azubis nicht aus dem Blick verlieren.

Das klingt nach komplexen Verhandlungen.

Ja, wir wissen, dass sich viele von uns ein Ergebnis wünschen, dass sich leicht erklären lässt. Aber das dürfte in dieser Runde schwierig werden, eben weil die Bedingungen in den Betrieben so weit gefächert sind. Wichtig wäre, eine Einigung zu finden, mit der Betriebe für Beschäftigte eine Schippe drauflegen müssen, wenn es ihnen wirtschaftlich gut geht – also eine Öffnung nach oben.

Wie werden die Verhandlungen ablaufen?

Klar ist: Ganz gleich, welche Zahl wir als Forderung aufrufen, sie wird bei den Arbeitgebern Widerstand hervorrufen. Es wird heißen, die IG Metall habe nichts begriffen, und sie habe die Situation nicht erkannt. Die Arbeitgeber werden jede Zahl als Provokation empfinden. Daher wird die Runde schnell eskalieren. Jetzt kommt es darauf an, die Streikbereitschaft hochzufahren für Warnstreiks und 24-Stundenstreiks.  

Wie beurteilst du die Streikbereitschaft?

Dass wir als IG Metall bereit sind, auf die Straße zu gehen, um unsere Errungenschaften und unseren Sozialstaat verteidigen, zeigen auch die Demonstrationen gegen die Angriffe auf den Sozialstaat (siehe Rückseite). Zudem habe ich hier heute entschlossene Wortbeiträge aus den Betrieben gehört. Auch deshalb bin ich sehr optimistisch. Für mich kann ich sagen: Das wird eine geile und gute Runde. Ich habe Bock darauf.

Stimmen aus unserem Vorstand in Frankfurt

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Neues wagen

Wir wollen viel Neues wagen. Das Spannungsfeld aus starken und schwachen Betrieben hatten wir so noch nicht. Die Kunst wird sein, Tarifforderungen aufzustellen, die für alle passen. Die IG Metall steht für Beschäftigung und gute Entgelte. Der Anspruch in der Tarifrunde wird sein, nicht nur Entgelte zu stärken, sondern auch für Zukunft und Beschäftigung zu stehen.

Nadine Boguslawski,
Tarifvorständin der IG Metall

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Kein Verzicht

Es kann in dieser Runde nicht um Verzicht gehen. Wir können unsere Wirtschaft nicht gesund sparen. Unternehmen müssen stattdessen durch eine deutsche und europäische Industriepolitik gestützt werden. Innovationen und Investitionen müssen gefördert werden. Der Binnenmarkt bietet Unternehmen Chancen. Deshalb müssen die Kaufkraft und damit die Binnennachfrage gestärkt werden.

Christiane Benner,
Erste Vorsitzende der IG Metall

Stimmen aus den Betrieben

Rund um die Uhr streikfähig

„Bei uns ist die wirtschaftliche Lage durch den Bau des Sprinters gut. Wichtig ist für uns eine klare Forderung ohne Drumherum. Die Stimmung und die Kampfkraft im Betrieb hängen von dieser Forderung ab. Wir sind in jedem Fall rund um die Uhr streikfähig.“

Inflation plus x

„.Bei uns im Betrieb läuft es nicht berauschend. Trotzdem wären wir verärgert, wenn wir unterhalb der Inflationsrate abschließen würden. Damit wäre eine rote Linie überschritten. Also lautet die Formel: Inflation plus x.“

Für die Beschäftigten ist Geld wichtig

„Wie es bei Ford langfristig läuft, ist allgemein bekannt. Allerdings haben wir seit einiger Zeit wieder mehr Bestellungen. Zugleich läuft aber noch ein Programm zum Personalabbau. Daher fällt regelmäßig Mehrarbeit an, was zu Unmut führt. In der Tarifrunde darf das Thema Arbeitsplatzsicherheit nicht mit dem Entgelt in einen Topf geschmissen werden. Dennoch: Geld bleibt Beschäftigten wichtig.”

Ausblick

So geht es weiter

Image

30. August 2026

Ende der aktivierenden Befragung

30. August 2026

11. September 2026

Ende der Forderungsdebatte

15. September

Forderungsempfehlung des Vorstands

15. September

22. September

Forderungsbeschluss
der Tarifkommission

23. September 2026

Forderungsbeschluss des Vorstands

23. September 2026

7. bis 14. Oktober 2026

Erste Tarifverhandlung

1. November 2026

Ende der Friedenspflicht/Warnstreiks

1. November 2026

Demo-Termine

Auf zur Demonstration gegen Sozialabbau

Die Politik darf die wirtschaftlichen und sozialen Lasten nicht länger auf dem Rücken der Beschäftigten austragen. In ganz Nordrhein-Westfalen setzt die die IG Metall ein klares und sichtbares Signal gegen die zunehmenden Angriffe auf den Sozialstaat. Wir tragen unseren Protest auf die Straße. Die nächsten Termine für Demos und Kundgebungen:

1. Juli: Köln 

2. Juli: Siegburg

3. Juli: Gelsenkirchen

4. Juli: Duisburg

4. Juli: Remscheid

7. Juli: Siegen

7. Juli: Wetter

7. Juli: Bielefeld

8. Juli: Münster

10. Juli: Bochum

10. Juli: Neheim

11. Juli: Dortmund

11. Juli: Essen

18. Juli: Lüdenscheid