Mai 2026

Schluss mit den Hängepartien
Wieder ein Rückschlag: Die Gespräche zwischen Thyssenkrupp und dem indischen Stahlkonzern Jindal über einen möglichen Einstieg sind geplatzt. IG Metall und Betriebsräte fordern jetzt: Keine weiteren Hängepartien mehr. Statt erneut auf Investorensuche zu gehen, muss Stahl selbstständig werden und sich vom Mutterkonzern lösen.
Das Aus für die Verhandlungen kam nach monatelangen ergebnislosen Gesprächen. Offiziell heißt es von beiden Seiten, diese Gespräche würden lediglich „pausieren“. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssenkrupp Steel Europe, übersetzt, was das heißt: „Es wird keinen Deal geben.“ Und er ergänzt: „Ich bin darüber auch gar nicht so unglücklich.“ Das sagte Giesler auf der jüngsten Vollkonferenz der Betriebsräte von Thyssenkrupp Steel Anfang dieser Woche in Essen.
Zu behäbig liefen die Gespräche zwischen Thyssenkrupp und Jindal, und ein Fragenkatalog der IG Metall blieb gänzlich unbeantwortet. Kurz: „Jindal wäre nicht der weiße Ritter gewesen, der Stahl gerettet hätte“, so Giesler. Deshalb sei es gut, „dass das jetzt beendet ist“.
Jetzt müsse der Vorstand der Thyssenkrupp AG um Vorstandschef Miguel López seine Strategie ändern und den Stahl in die Selbstständigkeit entlassen. „Wir müssen den Weg in die Verselbstständigung gehen“, sagt Giesler. „Denn mit dieser Konzernmutter werden wir immer am Gängelband bleiben.“
Auch die Betriebsräte befürworten diesen Weg. „Die Verselbstständigung von Stahl muss jetzt oberste Priorität haben – für alle Beteiligten“, fordert Gesamtbetriebsratsvorsitzender Tekin Nasikkol. „Eine Zukunft im bisherigen Konzernverbund ist für Stahl keine tragfähige Perspektive mehr.“
Allerdings, darauf pochen IG Metall und Betriebsräte: Das Unternehmen muss ausreichend finanziert sein, der Mutterkonzern also eine ordentliche Mitgift mit auf den Weg geben.
Tekin Nasikkol betont, dass Eigenständigkeit und Wandel nur dann gelingen, „wenn sie gemeinsam mit uns und den Beschäftigten gestaltet werden. Das System der paritätischen Mitbestimmung in Deutschland hat sich bewährt und gilt als Erfolgsmodell. Es ist die passende Grundlage, um gestärkt aus Krisen hervorzugehen; deshalb muss die Mitbestimmung weiterhin erhalten bleiben.“
3 Fragen an Tekin Nasikkol
„Jetzt muss damit Schluss sein“

Tekin, die Betriebsräte haben sich Anfang der Woche getroffen und die Lage besprochen. Wie steht es um Thyssenkrupp Steel?
Die strukturellen Herausforderungen treffen die Stahlindustrie besonders stark. Unsere Wettbewerbsfähigkeit leidet erheblich unter den hohen Energiekosten und den Billigimporten aus Asien. Dabei handelt die Politik in Zeitlupe oder nicht entschieden genug. Das gefährdet Arbeitsplätze, das muss sich ändern. Gleichzeitig erleben wir eine veränderte Wahrnehmung: Stahl hat strategische Bedeutung zurückgewonnen – in der Politik, in Brüssel und in der Gesellschaft. Stahl ist systemrelevant – als Grundwerkstoff industrieller Wertschöpfung aber auch für die nationale Sicherheit, und das verstehen jetzt immer mehr. Wir brauchen jetzt konkrete Unterstützung: einen wettbewerbsfähigen Strompreis von 5 Cent und wirksamen Handelsschutz durch die EU, damit wir wieder in stabiles Fahrwasser kommen.
Was ist von der Jindal-Absage zu halten?
Dies ist schon das zweite Mal binnen kurzer Zeit, dass Gespräche mit möglichen Investoren scheitern. Erst Kretinsky, jetzt Jindal. Das geht nun schon seit zehn Jahren so, damals war es Tata. Jetzt muss Schluss sein damit. Uns rettet niemand, wir müssen das aus eigener Kraft schaffen. Der gesamte Fokus muss jetzt auf der Verselbstständigung von Stahl liegen – und zwar mit einer ausreichenden Finanzierung durch den Mutterkonzern. Wir brauchen Antworten und zwar sofort.
Wie steht es um den Umbau im Unternehmen?
Für die Umsetzung der Neuaufstellung Stahl haben wir einen Sanierungstarifvertag abgeschlossen und einen verabredeten Prozess, woran sich alle halten. Für uns ist wichtig, dass die Effizienzmaßnahmen wirklich was bringen und nicht einfach nur Personalabbau beinhalten. Das macht uns am Ende nicht besser und genau darauf achten wir als Mitbestimmung. Anlass zur Sorge macht uns, dass einzelne Schichten von Unterbesetzungen berichten – das hat zum Teil Einfluss auf die Produktion, und das ist weder akzeptabel noch zukunftsfähig. Eine neue Stahlstrategie braucht mehr als Einsparungen: Sie braucht Investitionen in Strukturen, Prozesse und Menschen. Die vom Arbeitgeber vorgeschlagenen Auslagerungspläne bewerten wir kritisch und werden sie sorgfältig prüfen. Auch hier gilt: Wir müssen besser werden und nicht billiger. Unsere Vereinbarungen bieten dafür einen guten Rahmen. Wir verstehen unsere Rolle konstruktiv: Wir wollen Verbesserung gestalten – nicht Abbau verwalten.
Aktion für Prämie
Unterschriften
Überreicht

Vertrauensleute der IG Metall haben dem Vorstand bei der Betriebsräte-Vollkonferenz in der vergangenen Woche Listen mit Tausenden Unterschriften von Kolleginnen und Kollegen überreicht. Mit ihren Unterschriften forderten die Beschäftigten vom Vorstand: Zeigt Wertschätzung und zahlt die geplante Entlastungsprämie von 1000 Euro.
Allerdings ist die Prämie vorerst im Bundesrat gescheitert. Wenige Tage nach der Betriebsrätekonferenz kippte die Länderkammer das Vorhaben. Mit der Prämie wollte die Bundesregierung einen Ausgleich schaffen, um Beschäftigte angesichts steigender Spritpreise zu entlasten. Dazu wollte sie die Möglichkeit geben, dass Unternehmen ihren Beschäftigten das Geld steuer- und abgabenfrei auszahlen können.
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